Atari XL-Serie 

Atari 800 XL

Im Sommer 1981 wurde mit der Entwicklung eines möglichen Nachfolgers für die erfolgreichen Computer 400 und 800 begonnen. Das Projekt hieß zu Beginn „Z800 Elizabeth“. Im Februar 1982 wurde daraus „Sweet-16“ bzw. „S-16“, dann „1000“ – von dieser Modellnummer stammt die Nummerierung der XL-Peripherie – und im August 1982 zu „1200 XL“. Anfangs wurde geplant, die vier Controllerports beizubehalten. Im Februar 1982 wurden die Ports 3 und 4 sowie der interne Lautsprecher gestrichen und der SIO-Port sollte durch standardisierte D-SUB-Verbindungen abgelöst werden. Neu integriert wurden die Funktionstasten, die HELP-Taste und ein High-Speed-Port. Im August wurde entschieden, den SIO-Port doch beizubehalten, wohl um die Abwärtskompatibilität zu sichern, dafür verzichtete man auf den High-Speed-Port. Am 14. Dezember 1982 wurde das Ergebnis der Entwicklungsarbeit in New York als „1200 XL“ vorgestellt. Das Design der XL-Serie stammt von Regan Cheng, die flachen und eleganten braun-weißen Geräte lösen den „Schreibmaschinenlook“ der Vorgängerserie ab und sollten in ein High-Tech-Wohnzimmer passen.

Atari 1200 XL „Sweet-16“
Der 1200 XL war als Nachfolger des 800 gedacht, zu dem er leider teilweise inkompatibel ist. Manche Programme, die auf einem 800 problemlos laufen, verweigern auf dem 1200 XL ihren Dienst. Dieser Computer besitzt kein eingebautes BASIC, außerdem wurde das bekannte Memopad weggelassen. Beim SIO-Anschluss fehlen auf Pin 10 die +12V, was ab diesem Modell die Regel wurde, und auf Pin 12 die +5V, was beim 1200 XL einzigartig ist. Aufgrund der Inkompatibilität wurde der 1200 XL nur drei Monate produziert und ausschließlich in Nordamerika verkauft, als Nachfolger kamen im Herbst 1983 die Modelle 600 XL und 800 XL auf den Markt. Gebaut wurden in dem kurzen Zeitraum 105.000 Stück, davon 78.500 in den USA von März bis Mai und 26.500 in Taiwan von April bis Juni 1983.

Zu den Lampen L1 und L2:
Diese sind im Normalfall beide aus - sollten sie leuchten, dann bedeutet: Funktionstasten
Atari 600 XL „Surely“/„LIZ-NY“/„Crazy-8“/„S-8“
Der Atari 600 XL war der Nachfolger für den Atari 400. Zu Beginn der Entwicklungsphase im März 1983 wurde auf den Zusatz XL noch verzichtet. In einem deutlich flacheren und kleineren Gehäuse, welches an das des 1200 XL angelehnt ist, kam er im Oktober 1983 für 199 Dollar auf den Markt. Auch der 600 XL beinhaltet nur 16 kB RAM, was selbst 1983 schon etwas knapp bemessen war. Den Speicher kann man aber mit dem 1984 erschienenen Modul 1064 auf 64 kB erweitern, durch Eigenbau-Maßnahmen ist auch deutlich mehr möglich. Späte Modelle wurden in Kanada auch mit 64 kB ausgeliefert. Der Atari 600 XL ist modulmäßig zu 100% kompatibel mit dem Atari 400, bei Disketten- und Kassetten-Software kann es wegen dem leicht geänderten Betriebssystem doch vereinzelt zu Schwierigkeiten kommen. Die amerikanische Version wurde ohne Monitorport ausgeliefert. Der 600 XL war der letzte 16kB-Heimcomputer von Atari, einen Nachfolger für ihn gab es nicht. Er wurde nach der Übernahme Ataris durch Tramel Technologies Ltd. sofort eingestellt.

Atari 800 XL „Surely Plus“ / 800 XL-F „Rose“ / 800 XL-CR „Keri“
Noch während der 1200 XL gerade am Markt eingeführt wurde, arbeitete man bei Atari schon an einem Nachfolger, was mit der Inkompatibilität des 1200 XL zu seinem Vorgänger zusammenhängen könnte. Der Atari 800 XL kam zeitgleich mit dem 600 XL im Oktober 1983 für 299 Dollar auf den Markt. Er verfügt über einen Arbeitsspeicher von damals standardmäßigen 64 kB. 1984 erhielt der XL noch einen Speicherverwaltungschip namens FREDDIE (interner Name: 800 XL-F, Codename „Rose“, diese Version wurde aber nur in Europa verkauft). Eine weitere geplante, aber nicht mehr realisierte Variante war der 800 XL-CR, der sehr kostengünstig produziert werden sollte (CR = Cost Reduced). Ein Teil des Entwurfs, nämlich die Zusammenfassung der Chips ANTIC und GTIA, wurde in der XE-Serie übernommen. Richtig gut verkaufte sich der 800 XL erst nach der Übernahme Ataris durch den Ex-Commodore-Chef Jack Tramiel im Jahr 1984. Kurz darauf wurden die Preise für die XL-Computer drastisch gesenkt. Im Januar 1985 erfolgte das Produktionsende der XL-Serie. Durch einen hohen Produktionsvorlauf reichte der Vorrat an diesen Rechnern aber noch bis April 1986, ehe der 65 XE ausgeliefert wurde. Die Verkaufszahlen des 800 XL wurden im Dezember 1984 von Sigmund Hartmann auf 500.000 angegeben.

Vom 800 XL gibt es mehrere Versionen:
Nicht erschienene Modelle

Atari 600

Der Prototyp 600 war wohl lediglich eine Vorstufe des im Oktober 1983 erschienenen 600 XL, wobei die Gehäuseoberseite hier noch in schwarz gehalten war.

Atari 850 XLD
Möglicherweise das Einstiegsmodell zur Profiserie. Technische Daten sind leider völlig unbekannt. Auf dem Budget-Meeting vom 20. Dezember 1983 war eine Veröffentlichung für das zweite Halbjahr 1984 geplant. Das Projekt wurde durch die Übernahme durch Tramel Technology im Sommer 1984 gestoppt.

Atari 1400 XL
Das ist ein Prototyp der Profi-XL-Serie, die im Juni 1983 auf der Sommer-CES in Chicago vorgestellt wurde. Besonderheit: Der 1400 XL hat ein eingebautes 300-Baud-Modem (identisch mit dem 1030-Modem). Am 7. Juli 1983 wurde die weitere Entwicklung des 1400 XL zu Gunsten des 1450 XLD gestoppt, wohl auch, weil der 1400 XL auf Grund fehlender Abschirmung keine FCC-Freigabe erhielt.

Atari 1450 XLD „Dynasty“
Ein weiterer Vertreter der Profi-XL-Serie, der es fast zur Marktreife schaffte. Dieser wurde neben dem 1400 XL auf der Sommer-CES 1983 in Chicago und nochmals auf der Winter-CES 1984 in Las Vegas vorgestellt. Der 1450 XLD besitzt ein, in manchen Fällen zwei interne 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerke (identisch mit der 1050-Station) und ein 300-Baud-Modem (identisch mit dem 1030 Modem). Verschiedenen Quellen zufolge befinden sich weltweit zwischen 20 und 300 Entwickler-Versionen im Umlauf, die Zahl konnte bisher nicht genau eingegrenzt werden. Angeblich soll Atari Ende 1983 für Messezwecke 1200 XL-Computer in 1450 XLD-Gehäuse eingebaut und mit dem 1200 XL-Label versehen haben. Der Computer war wohl schon 1983 bereit für die Veröffentlichung, da bereits Prospekte dafür gedruckt wurden. Er wurde im Herbst 1983 durch CEO Morgan gestoppt, taucht aber in späteren Modellplanungen erneut auf.

Atari 1600 XL / 1650 XLD „Shatki“
Das Topmodell der XL-Serie: zwei Computer in einem Gehäuse. Der erste ist ein 800 XL, der zweite ein IBM-kompatibler PC auf 80186-Basis. Zusätzlich hat der Rechner ein eingebautes 300-Baud-Modem (identisch mit dem 1030) sowie zwei Diskettenlaufwerke und eine abgesetzte Tastatur. Der Computer war bereits im Prototypen-Status, als er vom neuen CEO James Morgan vorerst gestoppt wurde. Auf dem Budget-Meeting vom 20. Dezember 1983 war die Veröffentlichung des Rechners für 1985 geplant.

Atari 1850 XL „Lorraine“
Jay Miners Firma Amiga stellt auf der Winter CES im Januar 1984 das Projekt Lorraine vor. Atari und Amiga verhandeln ab Februar über eine Lizenzvereinbarung, die bis zum 30. Juni unterschrieben werden soll. Danach schießt Atari Amiga 500.000 Dollar vor, damit diese an Lorraine weiterarbeiten können. Atari bekommt dadurch aber auch Zugang zu den Entwicklern und beginnt mit der Entwicklung eines eigenen Boards. Atari zahlt die Summe im März, Amiga stellt daraufhin Atari die Lorraine-Unterlagen zur Verfügung. Bei Unterzeichnung der Lizenzvereinbarung sollen die Unterlagen in den Besitz Ataris übergehen, dafür soll Atari Amiga eine Million Dollar zahlen sowie eine Million Vorzugsaktien zum Stückpreis von drei Dollar kaufen. Außerdem werden 500.000 Dollar für jeden fertig entwickelten Chip fällig. Amiga erhät zudem Lizenzgebühren in Höhe von zwei Dollar pro produziertem Chip und 100.000 Dollar jährlich von der Coin Op-Division. Atari darf dafür ab 1985 eigene Computer-Addons für bestehende Spielkonsolen und ab 1986 auch eigene Computer mit dem Lorraine Chipsatz entwickeln. Sollte die Lizenzvereinbarung bis 30. Juni nicht unterzeichnet werden, soll Amiga den Vorschuss zurüchzahlen und Atari würde kostenfrei Zugriff auf Lorraine haben. Im Juni legt Atari Amiga eine Liste vor, nach der Lorraine nicht an Commodore, IBM, Apple, Philips und General Electric lizenziert werden dürfe. Im selben Monat ruft Commodore-Berater Steve Greenberg bei Amiga-Chef David Morse an und bietet ihm ebenfalls Verhandlungen an. Amiga versuchte bereits erfolglos, Lorraine an Sony, Hewlett Packard, Silicon Graphics, Philips und Apple zu lizenzieren. In Aussicht auf weniger restriktive Bedingungen treffen sich Greenberg und Morse wenige Tage später. Commodore ist bereit, den von Atari gezahlten Vorschuss plus eventuelle Zinsforderungen zu begleichen. Morse sagt am 28. Juni ein für 13:30 angesetztes Treffen zwischen ihm und Atari ab und trifft sich stattdessen abermals mit Commodore. Tags darauf übergibt Morse Ferrand einen Scheck über 750.000 Dollar mit der Begründung, Amiga würde Lorraine nicht rechtzeitig liefern können. Ferrand möchte Amiga gerne noch Zeit lassen, doch dieser lehnt ab und bricht die Verhandlungen endgültig ab. Einen Tag später wird die Lizenzvereinbarung mit Commodore unterzeichnet, aus dem Projekt Lorraine entsteht in den folgenden Jahren die Computerbaureihe Commodore Amiga.

Peripherie
Für die XL-Computer wurde auch einiges an Peripheriegeräten entwickelt, wobei die Modelle der Vorgängerserie auch genutzt werden können.

Die Geräte im Einzelnen: Die Modellnummern 1056, 1057 und 1058 waren für spätere Diskettenlaufwerke und die Nummer 1035 fü ein 1200-baud-Modem reserviert, die jedoch nie entwickelt wurden.

Technische Daten
Prozessor MOS 6502C
Takt 1,77 MHz (NTSC)
1,79 MHz (PAL)
Arbeitsspeicher 16 kB (600 XL)
64 kB
Festspeicher (ROM) 16 kB (1200 XL)
24 kB
Grafikchip Atari Alpha-Numeric Television Interface Controller (ANTIC)
Atari Graphics Television Interface Adapter (GTIA)
Auflösungen 80×192
160×192
320×192
Farbpalette 256
Soundchip Atari Potentiometer and Keyboard Integrated Circuit (POKEY)
Soundkanäle 4 PSG
Tastatur Schreibmaschine, 57 Tasten + 11 Funktionstasten
Entwicklungsbeginn Sommer 1981
Vorstellung 14. Dez. 1982 (1200 XL)
Juni 1983 (600 XL, 800 XL)
Im Handel März 1983 (1200 XL)
Oktober 1983 (600 XL, 800 XL)
Einstellung Juni 1983 (1200 XL)
Juli 1984 (600 XL)
5. Januar 1985 (800 XL)

Bilder

Atari 600 XL (September 1983–Juli 1984) mit Modul RX 8052 „Moon Patrol“

Bild: Marcin Wichary
Atari 600 Prototyp

Bild © The Atari Historical Society
Atari 800 XL (September 1983–Januar 1985) Atari 1200 XL (März–Juni 1983), Vertrieb nur in Nordamerika

Bild: Daniel Schwen
Atari 1200 XL Prototyp (1982)

Bild © The Atari Historical Society
Atari 1400 XL (1983)

Bild mit freundlicher Genehmigung von Computer History
Prototypen von 1027 (oben), CX-80, 1400 XL, 1030 (Mitte) und 600 XL (unten)

Bild © The Atari Historical Society
Atari 1450 XLD (1983)
Atari 1600 XL (1984), Variante 1

Bild © The Atari Historical Society
Atari 1600 XL (1984), Variante 2

Bild © The Atari Historical Society
Anschlüsse des 600 XL Anschlüsse des 800 XL, von links nach rechts: SIO, PBI, Monitor, TV, Netzteil. An der rechten Seite des Gerätes befinden sich die beiden Controllerports, an der Oberseite der Modulschacht.
Anschlüsse des 1200 XL Anschlüsse des 1400 XL Anschlüsse des 1450 XLD Mainboard des 600 XL
 Mainboard C061851 Rev. D, KW 36/1984 (Atari 800 XL) Mainboard C060585 (Atari 1200 XL) Startbildschirm BASIC Memo Pad
Atari 1010 Kassettenlaufwerk

Hersteller: Sanyo, Chelco
Übertragungsrate 600 bps
4 Spuren
1 Datenkanal
1 Audiokanal
Anschluss über SIO, Port durchgeschleift
ca. 100 kB/Kassette
Vorstellung Dezember 1982
Einstellung Juli 1984

Es existieren zwei Versionen der 1010: Bei der von Sanyo gebauten Variante folgt die Stoptaste auf die Pausetaste, bei der von Chelco gebauten (oben abgebildet) ist es umgekehrt.
Atari 1050 Diskettenstation

Format 5¼-Zoll einseitig
40 Sektoren
Spurdichte 18 Sektoren/Spur (Modus 1) bzw. 26 Sektoren/Spur (Modus 2)
182 Bytes/Sektor
Kapazität 90 bzw. 130 kB/Diskette
Übertragungsrate 19,2 kB/s
Motordrehzahl 288 U/min
Anschluss über SIO
ausgeliefert mit DOS 2.0S (1983), DOS 3 (1983-85) oder DOS 2.5 (1985-88)
Maße B×T×H 190 × 305 × 90 mm Vorstellung Juni 1983
Einstellung 1988

Atari 1055 Diskettenstation

Format 3½ Zoll, einseitig
vorgestellt 1983
Atari 1020 Vierfarb-Stiftplotter

hergestellt von Oric (= Oric MCP 40, Commodore 1520 und Tandy/Radio Shack CGP-115)
vier Farben
Anschluss über SIO
vorgestellt Dezember 1982
Einstellung Juni 1984
Atari 1025 Nadeldrucker

hergestellt von Okidata (= Okidata Microline 80)
80 Zeichen/Zeile
Einzelblatt- und Endloseinzug
Anschluss über SIO
vorgestellt Dezember 1982
eingestellt Juli 1984
Atari 1027 Typenwalzendrucker

hergestellt von Mannesmann Tally (= Mannesmann Tally Riteman LQ)
80 Zeichen/Zeile
Einzelblatteinzug
Anschluss über SIO
vorgestellt Juni 1983
eingestellt Juli 1984
Atari 1027 PLUS Typenraddrucker

Prototyp, ca. 1983
Atari 1029 Nadeldrucker

hergestellt von Seikosha
baugleich mit Commodore MPS 801
80 Zeichen/Zeile
Einzelblatt- und Endloseinzug
Anschluss über SIO
angekündigt durch Atari Frankreich im April 1985
eingestellt 1988

Der Atari 1029 ist die einzige XL-Hardware, die erst nach der Übernahme durch die Tramiels erschien.
Atari 1030 Modem

hergestellt von Racal-Vadic
Geschwindigkeit 300 baud
Anschluss über SIO
vorgestellt Juni 1983
im Handel Oktober 1983
eingestellt Juli 1984
Atari CP/M Add-On (Modell 1060)

Betriebssystem
Anschluss über SIO

Bild © The Atari Historical Society
Atari 1064

Speichererweiterung für das PBI des 600 XL, dieser wird dadurch auf 64 kB Arbeitsspeicher aufgerüstet
Atari 1064

dunkler Prototyp

Bild © The Atari Historical Society
Atari 1090 XL Expansion System

Steckkarten-Erweiterungssystem (1983), kam nicht in den Handel

Bild mit freundlicher Genehmigung von Computer History
Atari Joystick (Modell CX-40)

mit silbernem Kranz, dieser ist so auf der Originalverpackung der XL-Computer zu sehen.
Atari Light Pen (Modell CX-75)

vorgestellt im Juni 1983
eingestellt im Juli 1984

Bild © The Atari Historical Society
Atari Touch Tablet (Modell CX-77)

vorgestellt im Juni 1983
eingestellt im Juli 1984
Atari Trak-Ball (Modell CX-80)

vorgestellt im Juni 1983
eingestellt im Juli 1984

Letzte Seitenbearbeitung: 26. Oktober 2015