Stadtumwallung Neu-Ulm – Werk 4 
Die Courtine mit der Mittleren Durchfahrt 
Courtine 4 mit der Mittleren Durchfahrt
Lage
Blau: ca. Begrenzung, rot: erhaltene Bauwerke, grün: erhaltene Erdwerke
Erbaut 1844 bis 1850
ErbauerOLt Lutz
Flagge Württemberg Kgr. Bayern

OLt Ysenburg
Flagge Württemberg Kgr. Bayern

OLt Schönnamsgruber
Flagge Württemberg Kgr. Bayern

AdresseTheodor-von-Hildebrandt-Platz
89231 Neu-Ulm
Lage48,39148° nördl. Breite
10,00539° östl. Länge
Mannstärke332
ArtVerbindungslinie
ZweckVerteidigung des Grabens der Front 3–5 und gegen von Süden anrückende Truppen
Benachbarte WerkeBastion 3 im Osten

Bastion 5 Westen

Lage und heutige Nutzung
Das Werk befand sich zwischen der Meininger Allee und der Ringstraße östlich der Memminger Straße, das Vorfeld erstreckte sich bis über die heutige Steubenstraße. Die restaurierte Caponniere dient heute als kultureller Treffpunkt, hier finden im Sommer unter anderem Konzerte auf der Dachterrasse statt, in den Gewölben gibt es immer wieder Ausstellungen.


Aufbau des Werks
Das bis zu 332 Mann starke Werk wurde zwischen 1844 und 1850 zuerst unter Hauptmann Schäfer (Bayern), später unter Oberleutnant Lessel (Bayern) mit Hilfe des hannoveranischen Oberleutnants Oppermann errichtet. Es bestand aus Wall, Escarpe mit zwei zurückgezogenen Tenaillen mit Flankenbatterien, der Caponniere samt zwei Ausfallhöfen in der Werksmitte, dem Graben mit Künette, dem Glacis mit zwei Waffenplätzen im Gedeckten Weg, auf dem 1855–59 die Blockhäuser 3-4 und 4-5 errichtet wurden. 1865 wurde auf Wunsch von Bürgern und Soldaten durch die rechte Flankenbatterie eine Durchfahrt angelegt, um den Verkehr über Augsburger und Memminger Tor zu entlasten.

Baugeschichte und Erhaltungszustand
1906 kaufte die Stadt das Werk mit der Stadtumwallung und 1919 wurde mit dem Abbruch der Courtine begonnen, diese Arbeiten mussten jedoch nach Bedenken der bayerischen Denkmalbehörden eingestellt werden. In dem Werk befand sich auch der 1844 gelegte und 1919 gehobene Grundstein, der in den 2000ern erneut gelegt wurde. 1932 wurde die Werksmitte abgetragen und die Caponniere mit einer Fabrikhalle überbaut. Nach der nahezu vollständigen Zerstörung durch Fliegerangriffe im 2. Weltkrieg – immerhin lag das Werk direkt am Bahnhof Neu-Ulm – wurden die Bauten der Möbelfabrik Mayer's Söhne inklusive der Halle über der Caponniere wieder aufgebaut. Gleichzeitig wurden bis 1954 die übrigen Teile des Werks, darunter die beiden ausgebrannten Blockhäuser, eingeebnet und abgebrochen. Nachdem die Möbelfabrik in den 1990ern den Betrieb eingestellt und das Werksgelände verlassen hatte, wurde ab 1993 mit dem Abbruch der Fabrik begonnen. Dabei kam die Caponniere erneut zum Vorschein und auch sie sollte zunächst abgebrochen werden. Nach jahrelangem Streit im Stadtrat wurde sie jedoch 1998 in die neuen Planungen der Bahntieferlegung und der damit zu gewinnenden Flächen mit einbezogen und 2006–08 für zwei Millionen Euro restauriert. Dabei wurden auch ein Teil des Grabens und der Künette nachgebildet. 2008 war sie einer der zentralen Teile der Landesgartenschau Neu-Ulm.

Nutzungsgeschichte
Nach dem Ende der Festung auf dem rechten Ufer stand das Werk eine Zeit lang leer, bis die Caponniere überbaut und daraufhin als Kantine genutzt wurde. Das rechte Blockhaus diente ab 1933 als Lager des Reichsarbeitsdienstes. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte die Nutzung der Caponniere als Kantine bis in die 1990er weiter an. Seit der Restaurierung in den 2000ern dient es als Galerie und Veranstaltungsort.

Denkmalschutz und Eigentümer
Die gesamten Reste der Anlage stehen seit 2001 unter Denkmalschutz. Das gesamte Werk gehört der Stadt Neu-Ulm.

Bilder

Die Caponniere 4 Die Caponniere 4 im Jahr 2006 vor der Sanierung (Bild: Franz Kiefer) Die Caponniere 4, rechte Seite
Die Caponniere 4, linke Seite Eingang zur Caponniere In der Caponniere

Letzte Bearbeitung: 28. Februar 2016